Über Innovationen und Geselligkeit

Die laufende Modernisierung der Wirtschaft und der staatlichen Verwaltung ist ein wichtiger Prozess für unser Wirtschaftswachstum, Bewältigung von klimabedingten Herausforderungen und die Bewältigung von demographischem Wandel. Dabei sind unsere knapp zwei Millionen Einwohner in Sachsen-Anhalt und 83 Millionen in Deutschland viel seltener die Erfinder von Innovationen, als dass wir Innovationen von den über sieben Milliarden anderen Menschen übernehmen.

So oder so breiten sich Innovationen ohnehin nicht schlagartig aus, sondern sie diffundieren zunächst langsam, bevor die erfolgreichen Innovationen sich sehr beschleunigt ausbreiten und schließlich einige Nachzügler sie als Letzte noch einmal sehr gemächlich übernehmen. Diese Erkenntnis der Soziologie und Kommunikationswissenschaften fand in die Diffusionstheorie Eingang, welche die Ausbreitung von Innovationen beschreibt.

Tausende Studien zur Ausbreitung von Innovationen haben noch eine weitere Erkenntnis zum unbestrittenen Stand der Wissenschaft gemacht; die Phase der schnellen Ausbreitung von sich als erfolgreich erweisenden Innovationen wird von Mundpropaganda geprägt, im Fachterminus auch interpersonelle Kommunikation. Massenmedien oder Verkäufer sind hierfür nachrangig; die begeisterten Anwender einer Innovation überzeugen andere Akteure, diese auch zu übernehmen.

Je geselliger eine Branche untereinander ist, desto schneller können sich also die Innovationen darin ausbreiten.

Dies begründet die Annahme, dass die durch die Corona-Pandemie reduzierte Geselligkeit in Privatleben, Geschäftsleben und öffentlichem Dienst die Ausbreitung von Innovationen insgesamt behindert hat. Daran ändert wenig, das sicherlich einige Innovationen wie Arbeitsorganisation mit Homeoffice und Webkonferenzen einen starken Schub erhalten haben.

Der Zusammenbruch von Formen der Geselligkeit unter Berufskollegen und innerhalb von Branchen kann auch Spätwirkungen weit über den Zeitraum der -hoffentlich bald endenden- Pandemie-Vorsichtsmaßnahmen haben, denn Vieles wird sich nicht so einfach in vollem Umfange wieder starten lassen. 

Wirtschaftsleistung, Bewältigung von klimabedingten Herausforderungen und die Bewältigung von demographischem Wandel könnten daher dauerhaften Schaden durch die Pandemie über den Kanal der verlangsamten Ausbreitung von Innovationen nehmen.

Ein absichtliches und bewusstes Gegensteuern durch besondere Anstrengungen für wieder mehr zwischenmenschliche Kontakte innerhalb von Branchen könnte dem entgegenwirken.

Autor: Dipl.-Ök. B.Eng. Sven Ortmann

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