MDR Bericht über Chipmangel

Der NDR-Bericht über den Chipmangel https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/saalekreis/chipmangel-auto-markt-probleme-handel100.html spricht ein wichtiges Thema an. Der Chipmangel und andere Lieferschwierigkeiten entspringen jedoch nicht nur den Schwierigkeiten bei Containertransport und beim erneuten Hochfahren von pandemiebedingt reduzierter Produktion.

Während der Pandemie sank die Nachfrage nach Vor-Ort Dienstleistungen, gleichzeitig stieg zum Beispiel in den USA die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern stark an. Und „stark“ bedeutet hier „etwa um ein Drittel“. Zugleich kam es zu Störungen und dementsprechend Reduzierungen der Produktion. Unter solchen Umständen mussten sich die Lager vieler Halbfertigwaren entleeren.

Die starke Nachfrage wird auf diesem Niveau nicht jahrelang verharren, sie kann jedoch auch wohl nicht durch kurzfristig gegenüber dem Niveau von 2019 stark vermehrte Produktion bei konstanten Preisen gedeckt werden. Dies führt zu Preissteigerungen.

Die große Debatte unter Volkswirten ist deswegen, wie lange diese temporären Störungen dauern werden bzw. ob sie zu einer viele Jahre anhaltenden Stagflation führen. Normalerweise wüsste man, wie man eine Stagflation geldpolitisch beendet. Doch die Leitzinsen lassen sich kaum weiter senken (da sie bereits negativ sind und deutlich negative Zinsen als nicht praktikabel gelten). Die Notenbanken haben ihre Instrumente also noch sehr weitgehend im Einsatz gegen die auf 2008 zurückgehenden wirtschaftlichen Probleme und daher nicht in Reserve zum Kampf gegen neue Probleme bereitgehalten.

Für uns in Sachsen-Anhalt bedeutet dies, dass bis auf Weiteres unklar ist, wie sich Verfügbarkeit und Preise für Elektronik und andere dauerhafte Güter entwickeln.

Als Faustregel wage ich zu schätzen: Je weniger wertvoll die Anwendung für den Chip, desto unwirtschaftlicher und seltener wird sie jedoch wohl in 2022/2023 sein. Die hochwertigen Anwendungen preisen die weniger sinnvollen bzw- wertvollen Anwendungen aus dem Chipmarkt. Dies wird insbesondere einige verzichtbare Internet-of-things (IoT) Komponenten und billige Konsumentenelektronik betreffen.

Autor: Dipl.-Ök. B.Eng. S. Ortmann

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